News 2020

Oktober

Eine Zahngeschichte kommt selten allein

Nach der sehr intensiven Behandlung und Pflege von Garçon mussten auch Jules und Hornbach an den Zähnen behandelt werden. Monsieur Jules (so nennen wir ihn) frass nicht mehr so gut und schaute uns immer wieder traurig an. Da wir ihn ja nicht anfassen können, konnten wir nur vermuten, dass bei ihm wieder einmal etwas mit den Zähnen sein könnte. Beim Tierarzt dann die Bestätigung – insgesamt wurden 4 Zähne gezogen, sodass Jules inzwischen mit nur 2 Zähnen, dafür ohne Schmerzen, leben kann.

Bei Hornbach brach zuerst ein Eckzahn ab. Danach verschlechterte sich schnell sein Allgemeinzustand, er bekam Fieber. Wir mussten uns für eine OP entscheiden, trotz seines hohen Alters. Auch hier hat es sich gelohnt – die Reste vom abgebrochenen Zahn waren stark entzündet und zwei weitere Zähne wurden gezogen. Inzwischen geht’s ihm auch wieder ganz gut.

Solche OPs gehen immer mit einer psychischen Belastung einher. Die beiden Tiere sind alt (Hornbach inzwischen 15+) und wir mussten damit rechnen, dass die Tiere, trotz der vorangegangenen Checks (bei Jules in der Narkose) nach den OPs ev. nicht aufwachen würden. Wir sind sehr froh, die beiden, nun schmerzlos, wieder bei uns zu haben.

September

Garçon hat es geschafft

Wir sind sehr froh zu berichten, dass Garçon über dem Berg ist. Die Fäden wurde gezogen und der ph-Wert vom Urin wurde kontrolliert – alles im Normbereich.

Damit der ph-Wert gut bleibt, benötigt Garçon Spezialfutter – urinary. Damit sein Kumpelchen Vassilij ihm dieses nicht wegfrisst, haben wir für Garçon einen Sure feeder gekauft – einen chipgesteuerten Napf, welcher sich nur für ihn öffnet.

Garçon hat seinen guten Appetit wieder gefunden und auch sonst ist er wieder der Alte.

Garçons erste Anlaufstelle, Amis des chats d’Alsace, will uns helfen und haben eine cagnotte lanciert um einen Teil der Kosten für seinen Klinikaufenthalt zu decken. Sollte jemand sich angesprochen fühlen und dazu beitragen wollen, kann er/sie gerne diesen Link benützen:

https://www.leetchi.com/de/c/w29jGGbl

Vielen Dank!

August

Garçon

Ein Kristal in der Harnblase, ein Loch in der Harnblase, Entzündung des Kniegelenks…

Als Folge das Legen und Ziehen eines Katheters, eine OP, Spülungen der Harnblase, zahlreiche Infusionen und Blutentnahmen und intensive Medikation…

In nur einer Woche ist Garçon, unser FelV+ Neuzugang durch sehr viele Belastungsproben gegangen. Zuerst ging plötzlich das Urinieren nicht mehr. Nach einer Erstversorgung mit vorhandenen Medikamenten (in telefonischer Absprache mit unserer Tierärztin) stellte man am nächsten Tag bereits Untertemperatur fest. Garçon musste in der Tierklinik bleiben. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Nierenwerte kritisch sind und dass ein grosser Kristal den Harnausgang blockiert. Ein Katheter wurde gelegt, es folgten Spülungen der Harnblase, Infusionstherapie und Medikationen. Nach mehreren Tagen zeigte sich eine gute Besserung – Nierenwerte wieder im Normbereich, kaum Kristalle mehr im Urin. Nach der Entlassung zu Hause gab es jedoch wieder eine Verschlechterung. In der Tierklinik ein Schock – das Bauch war so voll mit Wasser, dass keine Blase mehr gesehen wurde. Es wurde davon ausgegangen, dass die Blase gerissen worden sei. Die Nierenwerte waren wieder kritisch. Der Bauch wurde punktiert – 400 ml konnten dabei rauskommen. Man wollte schauen ob der Bauch sich über Nacht wieder mit Wasser füllen würde und die herausgekommene Flüssigkeit analysieren. In der Flüssigkeit befand sich eindeutig Urin. Garçon wurde operiert – dabei hat man gesehen, dass die Blase nicht rupturiert war, es gab jedoch ein Loch von ca. 2mm. Das Loch wurde zugenäht und es galt zu beten, dass Garçon sich erholen und die Blase halten würde. Wie ein Stehaufmännchen erholte sich Garçon auch dieses Mal – die Nierenwerte kamen wieder in den Normbereich und der Appetit war wieder da. Nach einer Entlassung mit guten Hoffnungen ging es zu Hause bereits am nächsten Tag wieder bergab. Garçons rechtes Hinterbein lahmte und er hatte sichtlich Schmerzen. Beim Tierarzt wurde festgestellt, dass das Kniegelenk entzündet ist. Garçon bekam ein stärkeres Schmerzmittel und ein 2. Antibiotikum. Zum Glück wirkten die Medikamente sodass bereits am Abend eine Besserung sichtbar wurde. Wir hoffen und beten, dass vor allem Garçons Blase sich erholen kann; wenn alles gut geht, können ihm Ende nächste Woche die Fäden am Bauch gezogen werden.

Es war eine Horrorwoche für uns alle. Zwei schlimme Diagnosen – FIP und Thrombose mussten ausgeschlossen werden. Der Kampf um Garçons Leben war sehr intensiv. Doch sein Lebenswille ist so enorm, dass wir ihn nicht aufgeben wollten solange er sich selber nicht aufgibt.

Garçon ist ein Opa, gerettet von einem französischen Tierschutzverein aus einer Kolonie freilebender Katzen. Die Katzen wurden von jemandem gefüttert doch mit der Zeit wurden es viel zu viele – nicht zuletzt dank dem, dass es Menschen gab, welche ihre nicht mehr gewollten Tiere bei der Kolonie ausgesetzt haben. Es gab dann gar Auseinandersetzungen mit den Dorfbewohnern, welche die Katzen hassten. Garçon war bereits in einem schlechten Zustand und hatte Glück, dass er nicht nur nicht eingeschläfert (aufgrund seiner FelV-Diagnose), sondern sogar behandelt wurde, denn er hatte einen Abszess im Mund und schlechte Zähne (auch beim Katheterlegen letzte Woche wurden ihm noch drei Zähne gezogen).

Seit drei Monaten lebt Garçon bei uns zusammen mit Vassilij im Maison Flocon. Wir hoffen sehr, dass Garçon noch etwas an Lebenszeit haben und einen schönen Lebensabend bei uns verbringen darf.

Bitte helft auch ihr an Garçon zu denken – Gebete können oft Wunder bewirken.

Mai

Mein Name ist Bond. Jamie Bond ;-)

In nur kurzer Zeit ist bei uns sehr viel gelaufen. Zentral ist die Geschichte, welche wir zusammen mit unserem Neuzugang Jamie erlebt haben.

In der Nacht auf Samstag zwei Tage vor dem Termin bei dem CH-Tierarzt hat Jamie die Kindersicherung in unserem Badezimmer so manipulieren können, dass er es geschafft hatte, nach draussen zu kommen. Es folgten Tage der intensiven Suche mit allen Stationen der Hoffnung, Verzweiflung und Traurigkeit. Nur jemand, der bereits einmal über mehrere Tage nach seinem verlorenen Tier suchen musste, könnte verstehen, durch was wir gegangen waren. Wir suchten Tag und Nacht, wir haben Dutzende von Menschen angesprochen und Suchplakate gedruckt und verteilt. Wir haben die Organisation P.I.R.A eingeschaltet und waren dann intensiv jedem Hinweis nachgegangen in der Hoffnung, dass es sich wirklich um unseren Jamie handelt. Nach drei Tagen Suche haben wir bereits die Hoffnung verloren, Jamie je wieder zu sehen – zu vieles hätte ihm zustossen können. Doch am nächsten Morgen, als wir eher automatisch draussen vor dem Badezimmer-Fenster nachschauten, mussten wir gleich zwei Mal hinschauen – Jamie hatte auf einem von uns für Katzen hingerichteten Ruheplätzchen unter dem Fenster geschlafen. Zu sagen wir waren erleichtert wäre nichts zu sagen. Ein Riesenstein war uns vom Herzen gefallen.

Am gleichen Tag brachten wir Jamie zu einem anderen Tierarzt hier in Frankreich (in der Schweiz haben wir so kurzfristig keinen Termin bekommen), denn seine Wunde, welche der erste Tiearzt versorgt haben soll war nach wie vor zu, doch man spürte, dass sich dort Flüssigkeit, vermutlich Eiter, befand. Der neue Tierarzt hat Jamie sofort stationär aufgenommen und am nächsten Tag operiert. Der Verdacht auf Vereiterung hat sich bestätigt und die Wunde musste versorgt und an einer Stelle sogar genäht werden. Jamie hat die OP gut überstanden, er bekommt nun Antibiose und wird nächsten Freitag, wenn alles gut geht, kastriert.

In der Zwischenzeit haben wir etwas mehr über Jamie erfahren können. Drei Jahre lang wurde Jamie in Mulhouse von einer sehr alten Frau gefüttert. Leider hat sie es nicht geschafft Jamie kastrieren zu lassen, es wurde zugesehen, wie Jamie bei einer anderen Streuner-Katze für Nachwuchs gesorgt hatte… Als die Corona-Geschichte anfing, zog die ältere Frau zu ihren Kindern und eine Nachbarin übernahm Jamies Versorgung. Als er verletzt wurde, hat die Nachbarin die Familie der alten Frau verständigt und diese hatte dann Jamie von Mulhouse zu ihrem Dorf gebracht. Dort haben sie Jamies Wunde mit Homöopathie behandelt. Nach all den Jahren wusste die Familie nicht einnmal, dass Jamie tätowiert war…

Diese Geschichte ist sehr traurig. So viele Jahren betreut und doch auf der Strasse und der erste Tierarzt, zu welchem wir mit Jamie für Hilfe gekommen waren, hatte uns und Jamie diese verweigert, weil Jamie ja offiziell jemand anderem gehören soll. Jamie wurde als ein fremder Besitz und nicht als ein Lebewesen in Not angesehen – ein grosses Unrecht aus unserer Sicht.

Wir hoffen stark, dass auch Jamies Kastration gut verlaufen würde. In nur kurzer Zeit haben wir Jamie in unser Herz geschlossen – noch vor seinem Ausbüxen ziemlich ganz am Anfang fragte unsere kleine Anna, ob wir Jamie denn nicht behalten könnten. Wir haben uns gewundert, denn, auch wenn wir ab und zu ganz besondere Tiere bei uns empfangen dürfen, wussten wir im ersten Moment nicht, warum ausgerechnet Jamie sie so beeindrucken konnte. Doch jetzt verbindet uns alle Jamies besondere Geschichte; wir spüren auch, dass Jamie nun ganz bei uns angekommen ist – nach der adäquaten Wundversorgung und täglichen Pflege und Zuwendung ist Jamie viel ruhiger und sehr anhänglich geworden. Welcome to our family, Jamie Bond.

P.S.: auf unseren Streifzügen während der Suche haben wir in unserem Dorf einen betreuten Futterplatz entdeckt und haben bereits ein wenig an Futter und Wasser dort beigetragen. Eventuell können wir dort einmal noch mehr helfen, wenn wieder etwas mehr Luft da ist – wir haben nämlich einen weiteren Neuzugang doch darüber beim nächsten Mal.

Jamie

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Jedes Tier bringt eine Geschichte mit sich, so auch Jamie. Er wurde gefüttert von einer Frau in einem Dorf unweit von unserem Wohnort. Trotz offenen Wunden auf dem Kopf und wunden Ohren liess man ihn weiterziehen. Doch, wie alle auf Futter angewiesene Tiere, kehrte auch Jamie dort wieder zurück. Die Möglichkeit zu bleiben gab es wohl nicht. Da festgestellt wurde, dass Jamie ein Tatto im Ohr hatte, wurde er zum Tierarzt gebracht. Das Tatto war leider (?) nicht mehr lesbar und so landete Jamie bei uns – auf einem Parkplatz bei Carrefour in Ilzach wurde er uns übergeben.

Der unkastrierte ältere Kater war sehr froh um die angebotenen Futter und Wasser, am ersten Tag hat er geschätzt einen Liter Wasser zu sich genommen. Trotz Blutungen haben wir uns schon bald gegen seinen Kragen (bekommen vom Tierarzt) entschieden. Stattdessen haben wir seine Ohren gereinigt und bereits nach zwei Tagen blutete er nicht mehr. Ein TA-Termin wurde auf den vergangenen Montag gesetzt – Jamie hätte kastriert werden sollen, ein Kombi-Test hätte gemacht werden sollen; ausserdem mussten seine Verletzungen und Ohren genauer angeschaut werden. Wie immer waren wir bereit für Nachrichten jeglicher Art, doch dass wieder einmal unsere Arbeit hätte erschwert und das Leben eines Tieres zurückgestellt werden sollen, damit haben wir nicht gerechnet.

Unsere französische TA-Praxis, welche wir nun willentlich verloren haben, rief uns an und teilte mit, dass, weil Jamie das (unlesbare) Tattoo im Ohr hat, können sie ihn nicht kastrieren, ausserdem sei er FIV+ getestet worden. Wir waren zwar unter Schock, fragten jedoch ob wir ihn denn nicht sofort abholen können. “Nein”, wegen der Wundversorgung habe er trotzdem in Narkose gelegt werden müssen und wir sollen erst gegen 15 Uhr kommen. In grosser Sorge um Jamie haben wir die Wartezeit bis 14 Uhr ausgehalten und konnten Jamie dann in der Praxis abholen. Unsere Sorge war sehr berechtigt: wir kennen die Haltung französischer und nicht nur französischer Tierärzte gegenüber FIV+ Tieren, ausserdem hatten wir Angst, dass Jamie statt uns einem Tierheim übergeben würde, da wir ja nicht seine Besitzer sind. Bereits mit dem Kater in der Hand haben wir der Praxis mehrere wichtige Fragen gestellt: “was wäre aus dem Kater ohne unsere baldige Hilfe geworden?” “Wie soll sein “Besitzer”, welchen man ja nicht ausfindig machen kann, beweisen können, dass es sich um seinen Kater handelt?” “Was soll aus einem unkastrierten FIV+ Kater werden: seine einzige Chance, bei uns in eine unserer Katzengruppen aufgenommen zu werden wäre seine obligate Kastration”. Auf keine unserer Fragen wurde befridiegend geantwortet. Stattdessen bekam wir zu hören, dass wir den Kater gar nicht hätten zu uns nehmen dürfen und durften für das Geleistete EUR 120.- hinblättern.

Zu Hause angekommen, haben wir festgestellt, dass die grosse Wunde kaum versorgt wurde und dass Jamie die Narkose also umsonst über sich ergehen lassen musste. Am gleichen Tag haben wir das Tierheim Mulhouse und die ICAD (französische Tierdaten-Bank) angeschrieben. Wir haben gefragt, was wir in solch einer Situation für Jamie tun könnten. Vom Tierheim kam keine Antwort, von der ICAD kam die Antwort, dass unser TA uns in dieser Frage hätte beraten können sollen und dass das Tier in so einem Fall von uns identifiziert hätte werden lassen können. Da unser wages Vertrauen an die französischen Tierärzte nach diesem Vorfall nun ganz weg ist, haben wir uns dieses Mal für einen CH-Tierarzt entschieden, welcher die Kastration von Jamie am kommenden Montag machen soll. Wir hoffen, dass alles gut geht und dass Jamie danach endlich in Ruhe auf seine grosse Untersuchung bei unserem Tierarzt in Deutschland warten kann.

Trotz dem, dass Jamie zurzeit alleine in unserem Badezimmer bleiben muss, scheint er sehr zufrieden. Er freut sich über die Aufmerksamkeit und über das Futter, er trinkt nun normal und hat bereits wenige Lieblingsplätze – einen auf dem Stuhl und einen auf unserem Wäschekorb. Wir halten alle Daumen und Pfoten, dass die OP am Montag gut geht und dass Jamie sein neues, entspannteres Leben mit mehr Bewegungsfreiheit bei uns anfangen kann.

April

Erst sind drei Monate des neuen Jahrs vergangen, doch bereits jetzt ist klar, dass 2020 ein schwieriges Jahr für Katzen-Musik werden soll.

In nur drei Wochen mussten wir drei Mal Abschied nehmen.

Am 11.3 ging unsere geliebte Samantha über die Regenbogenbrücke. Bereits seit einiger Zeit war klar, dass Samantha, trotz unauffälligen Bluttests, nicht mehr lange leben würde: sie baute extrem ab, trinkte vermehrt und wurde sogar dement – sie fand das WC nicht mehr und urinierte oft im Stehen. Eine Woche vor ihrem Gehen wurde Samantha zum ersten Mal richtig anhänglich – sie wollte viel gestreichelt werden. Mit Freude haben wir diese Annähereung erwidert, jedoch nicht ohne Tränen in den Augen – der Abschied war ganz gut spürbar… Am morgen am 11.3 war es dann soweit. Es gab Streicheleinheiten, auf welche Samantha noch schwach antworten konnte, sie war sichtlich froh um unsere Nähe. Dann fiel sie in eine Koma, aus welcher sie nicht mehr aufwach…

Am 30.3 war unsere geliebte Tschernuscha abgeflogen. Sie war die letzte Überlebende der fünf Hühner=ausgedienten Legehennen, welche wir vor drei Jahren aus einem Betrieb hier in Frankreich gerettet haben. Sie war dort in einem Käfig eingesperrt – nicht weil sie behindert war, sondern weil sie immernoch legte. Sie legte und legte, sodass wir Angst hatten, sie würde an Legenot sterben. Doch sie und Anuschka, welche sie überlebt hatte, hatten dasselbe Problem – Wasseransammlungen im Bauch. Erst am morgen haben wir Tschernuscha punktiert und 400 ml Wasser aus ihrem Bauch rausgebracht. Doch diese Erlösung konnte ihr nicht das Leben retten – sie bekam ein Lungenödem. In der Hoffnung, eher in der Verzweiflung, es wäre eine Kropfverstopfung und weil wir gesehen habe, dass Tschernuscha in Atemnot kommt, versuchten wir, ihr den Kropf zu leeren… Sie ertrank in unseren Armen…

Zwei Tage später flog auch unser Huhn Bella ab – sie durfte sanft bei unserem Vogelarzt nach einer längeren Krankheit einschlafen.

Auch kam es in nur drei Monaten zu drei schweren Enttäuschungen.

Zuerst kam die unglückliche Vermittlung von Julie. Wider unserer Erwartung, dass hier zumindest Einsicht des Fehlverhaltens gezeigt wird oder weitere Details auftauchen, kam nichts; dies, trotz dem, dass Julie durch eine gute Bekannte innerhalb ihrer Familie vermittelt wurde.

Dann kam zum ersten Mal in der Geschichte unseres Katzenheims ein Fall, dass eine neue Katzenbesitzerin (Adoptantin des Katers Ryzhik) uns in einer sehr groben Form Nachfragen über ihn verbot – die Frau hat das Gefühl, Ryzhik bei uns gekauft zu haben und versteht nicht, warum wir sie mit unseren Nachfragen “belästigen”. Sprachlosigkeit, Wut, danach Verlustschmerz – dies war die Abfolge unserer Gefühle. Wir haben Ryzhik nun für immer verloren, nie wieder werden wir mit nur einem Auge in sein Leben blicken können, nie werden wir erfahren, ob er überhaupt noch lebt…

Zu guter Letzt eine böse Überraschung aus der direkten Nachbarschaft – eine Nachbarin hat es wohl auf uns abgesehen und verlangt nun, dass wir Alissa und Gentle einsperren würden, sie sollen bei ihr den Sitzplatz markieren… Alissa, welche unser Grundstück seit sehr langer Zeit nicht mehr verlässt und welche ihren Urin- und Kot- Absatz nicht kontrollieren kann (ein bewusstes, regelmässiges Markierungsverhalten nicht einmal in der Theorie möglich) und Gentle, welcher ebenfalls das Grundstück immer weniger verlässt (aufgrund des zunehmendes Alters) und welcher mehrere Lieblingsstandorte fürs Erledigen sämtlicher Geschäfte auf unserem Grundstück hat. Dazu kommt, dass beide Tiere noch vor Einbruch der Dunkelheit IMMER eingesperrt werden. Komisch auch, dass zuerst Gentle und noch ein anderer Kater der Markierungsanschläge angeschuldigt wurden, da die Frau davon ausging, dass der andere Kater auch uns gehört. Erst nachdem klar wurde, dass der andere Kater einen anderen Besitzer hat, wurde Alissa ins Spiel gebracht. Dies zum ersten Mal seit bald vier Jahren, in welchen wir hier leben von einer Person, welche uns persönlich kennt und welche uns offenbar nur vorspielte besonders tierlieb zu sein. Es ist schon klar, dass man nicht in jede Seele reinblicken kann, es gibt bestimmt irgendwelche Befindlichkeiten, welche das Verhalten dieser Person erklären; wir wissen aber auch, dass dieses Verhalten gegenüber uns, unserem Ehrenamt und vor allem gegenüber zwei unschuldigen Tieren unfassbar, unfair und böse ist. In diesen Tagen der Isolation wegen Covid19 konnten wir nur Beobachtungen zugunsten von unseren Tieren machen und sind noch sicherer, dass diese Anschuldigungen keinen Boden haben.

Dafür, dass es sich nur um drei Monate handelt, sind es relativ viele Belastungen. Hinzu kommem zwei weitere fremde, überfahrene Katzen, die wir unterwegs von der Strasse nehmen mussten, beide Katzen waren jung, die eine konnten wir dank Chip dem Besitzer übergeben.

Abschied nehmen zu müssen ist sehr schwer, wir mussten einige Male in den letzten Wochen Gedanken und Gefühle verdrängen um stark und alltagtauglich bleiben zu können. Denn, auch wenn die Einen gehen, sind die Anderen da und auf uns angewiesen. Es gab drei Neuzugänge: eine Jungkatze, welche zwar zutraulich, dennoch unkastriert und verwahrlost war, ein Jungkater, ebenfalls unkastriert und mit zwei tiefen Wunden am Kopf und ein Fundkaninchen, welches zu uns von einem Nachbarn gebracht wurde.

Julie 2 und Ryzhik 2 ähneln äusserlich und teils auch charakteristisch sehr stark ihren Vorgängern – dies ist ein etwas spezieller Zufall in der aktuellen Situation. Beide erfreuen sich eines sehr guten Appetits, wobei Julie 2 ab und zu Probleme mit der Abfuhr von Haarbällen hat (trotz ihres Kurzhaars). Beide Tiere sind sehr menschenbezogen, Ryzhik ist ein absoluter Einzelgänger und auch Julie mag ihre Artgenossen nicht besonders. Julie hat eine bemerkenswert laute Stimme und ein weiteres spezielles Merkmal – Ihr Schwänzchen ist am Ende verbogen. Leider können wir aufgrund der aktuellen Lage (Grenzschliessung zu Deutschland wegen Covid19) beide Tiere nicht impfen lassen. Zum Glück haben wir sie vorher schon kastrieren und medizinisch versorgen lassen können (bei Ryzhik mussten die beiden Wunden nach der gründlichen Versorgung in einer Vollnarkose eine Zeitlang desinfiziert werden). So können wir die beiden momentan zwar nicht vermitteln, jedoch mit ihnen ohne Stress den Alltag leben.

Kaninchen Violetta bekamen wir von unseren Nachbarn – deren Eltern haben dieses in ihrem Garten gefunden und konnten/wollten es nicht behalten. Violetta hat sich schnell recht gut bei uns eingelebt. Leider wollte sie keine userer bestehenden Kaninchen-Gruppen akzeptieren – so lebt sie nun in einem Einzelgehege und kommt jeden 2. Tag in Genuss vom grossen Kaninchenauslauf, welchen sie in Abwechslung mit Snezhinka, Cassise und Marron, den drei Zwergkaninchen, teilt.

 

Januar

Wer ist Schuld daran wenn eine Katze überfahren wird? Keine angenehme Frage für die Schuldigen, weil die Ehrlichkeit leider so oft so schwer fällt…

http://schmusekatzen.de/katzen-im-strassenverkehr/

Vorbei sind die Zeiten, in welchen wir Hilfe-Anfragen aus der Ferne positiv beantwortet haben, vorbei sind die Zeiten, in welchen wir ab und zu Tiere aus Tierheimen oder Tierarztpraxen übernommen haben. Mit neun Katzen auf dem Gnadenhof und acht Katzen, welche wir auch nicht mehr vermitteln wollen, sind wir bereits sehr voll. Wir erwähnen jetzt bewusst nicht andere Tiere, welche bei uns auch noch leben, da dieser Beitrag hier ausschliesslich ein Katzen-Beitrag sein soll. Es ist viel schwieriger Hilfe-Anfragen aus direkter Nachbarschaft abzulehnen. Aus diesem Grund haben wir vor Weihnachten drei Katzen-Notfälle übernommen (Magda und ihre Kitten). Magda erhöhte die Zahl unserer Gnadenhoftiere und die Kleinen werden erst in ca. einem Monat vermittlungsreif. Wir wissen warum wir dies tun, doch manchmal passiert etwas und es fehlen uns Worte und Kräfte und die “Warum”-Frage kommt auf.

Am 19.1 wurde die kleine Julie überfahren. Dies, trotz unserer Bedingung für Jungtiere, dass sie, bis sie jährig sind, keinen Freigang haben sollen. Ein schwerer Schicksalsschlag für uns. Wir haben dafür gesorgt, dass Julie an einem sicheren Ort sicher auf die Welt kommt, dass sie essen und trinken lernen kann und mit ihren Geschwistern ihr Kittenalter in Ruhe geniessen kann. Wir waren die schützenden Hände für sie bis wir sie in andere Hände gegeben haben. Wir haben dies nur getan, weil wir ein gutes Gefühl hatten und guter Hoffnung waren, dass sie dort Liebe und Geborgenheit und auch eine neue Sicherheit haben würde. Wie gross ist die Liebe, wenn man in Bezug auf ein s.g (tierisches) Familienmitglied fahrlässig ist? Würde man die eigenen Kinder, welche noch nicht viel von der Welt gesehen haben, bedenkenlos auf die Strasse schicken? Wohl kaum.

Hat man das Recht in so einem Fall, in welchem man nicht vorsätzlich aber doch fahrlässig gehandelt hatte, zu urteilen für wen das Geschehene schlimmer ausfällt – für sich selber oder für die Familie, welche das Tier von Geburt an pflegte und hegte? Jeden Morgen wachen wir mit Gedanken an Julie auf, der Tränenfluss hört nicht auf. Wird uns je jemand auf unsere Fragen antworten: “War es nötig, dass Julie jetzt schon rausgeht?” “War das tagsüber passiert oder gar in der Nacht (was noch fahrlässiger gewesen wäre)?” “Wer hat Julie gefunden?” “Wie sah sie aus?” “War sie sofort tot oder hat sie noch lange gelitten?” “Wo ist sie begraben worden?”

Liegt nicht in Details die ganze Wahrheit, welche wir wohl nie erfahren werden? Hier schmerzt nicht nur die Gewissheit, sondern auch die Ungewissheit. Die Wunde wird nie heilen können.

Wie sollen wir weitermachen und Tiere retten?

Einmal trafen wir im Tierheim Mulhouse auf ein Paar. Sie waren dort um sich mit den Katzen abzugeben, sie zu streicheln etc. Wir haben erfahren, dass sie es sich nicht vorstellen können, eine Katzenpflegestelle zu werden, weil sie die Tiere nicht mehr abgeben könnten. Das Paar war bereits etwas älter als wir… Das erste Mal besuchte uns in dieser Woche der Gedanke, kein Tier mehr abzugeben, doch der Verstand ist auch noch da und wir wollen die aktuell vermittelbaren Tiere auf jeden Fall vermitteln; jeder Schicksalsschlag nimmt uns ein Stück Kraft – die schönen Festtage, die wir hatten, machten das “Erwachen” im neuen Jahr umso schwerer. Auch können wir den Gedanken nicht loswerden, dass, während wir am 19.1 einen Konzert besuchten, in welchem einer von uns auch mitmachte, Julie draussen im Sterben lag. Die freudigen Aufnahmen vom Konzert haben nun eine völlig andere – schwarze Farbe bekommen.

Eventuell wäre es für uns einfacher, das Geschehene zu akzeptieren, wenn wir wüssten, dass dies für die Familie eine Lehre war und dass Julies Tod aus diesem Grund nicht umsonst gewesen wäre. Doch eine solche Gewissheit haben wir nicht. Und so wurde Julie zu einem einfachen StrassenKriegsOpfer – wie im Krieg, ist der Tod auch hier hässlich und sinnlos gewesen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir heute das Bild von Tigroux, dem roten Kater, welchen wir Mitte auf der Strasse so gesehen haben. Wir legten ihn aufs Gras und haben ihn nach der Arbeit zu uns genommen. Wir liessen ihn auf einem Tierfriedhof begraben.

Wir wollen, dass es jedem Katzenhalter bewusst wird, dass wenn er sein Tier bewusst auf die Strasse lässt, mit einem solchen Bild immer zu rechnen sein wird, einem Bild, welches nie wieder aus dem Kopf gehen kann und welches das Herz schmerzen lassen wird – bis an das Lebensende.

Unsere Julie, das Katzenkind, welches wir vor solch einem traurigen Schicksal nicht bewahren konnten. Das tut uns unendlich leid.