News 2020

Januar

Wer ist Schuld daran wenn eine Katze überfahren wird? Keine angenehme Frage für die Schuldigen, weil die Ehrlichkeit leider so oft so schwer fällt…

http://schmusekatzen.de/katzen-im-strassenverkehr/

Vorbei sind die Zeiten, in welchen wir Hilfe-Anfragen aus der Ferne positiv beantwortet haben, vorbei sind die Zeiten, in welchen wir ab und zu Tiere aus Tierheimen oder Tierarztpraxen übernommen haben. Mit neun Katzen auf dem Gnadenhof und acht Katzen, welche wir auch nicht mehr vermitteln wollen, sind wir bereits sehr voll. Wir erwähnen jetzt bewusst nicht andere Tiere, welche bei uns auch noch leben, da dieser Beitrag hier ausschliesslich ein Katzen-Beitrag sein soll. Es ist viel schwieriger Hilfe-Anfragen aus direkter Nachbarschaft abzulehnen. Aus diesem Grund haben wir vor Weihnachten drei Katzen-Notfälle übernommen (Magda und ihre Kitten). Magda erhöhte die Zahl unserer Gnadenhoftiere und die Kleinen werden erst in ca. einem Monat vermittlungsreif. Wir wissen warum wir dies tun, doch manchmal passiert etwas und es fehlen uns Worte und Kräfte und die “Warum”-Frage kommt auf.

Am 19.1 wurde die kleine Julie überfahren. Dies, trotz unserer Bedingung für Jungtiere, dass sie, bis sie jährig sind, keinen Freigang haben sollen. Ein schwerer Schicksalsschlag für uns. Wir haben dafür gesorgt, dass Julie an einem sicheren Ort sicher auf die Welt kommt, dass sie essen und trinken lernen kann und mit ihren Geschwistern ihr Kittenalter in Ruhe geniessen kann. Wir waren die schützenden Hände für sie bis wir sie in andere Hände gegeben haben. Wir haben dies nur getan, weil wir ein gutes Gefühl hatten und guter Hoffnung waren, dass sie dort Liebe und Geborgenheit und auch eine neue Sicherheit haben würde. Wie gross ist die Liebe, wenn man in Bezug auf ein s.g (tierisches) Familienmitglied fahrlässig ist? Würde man die eigenen Kinder, welche noch nicht viel von der Welt gesehen haben, bedenkenlos auf die Strasse schicken? Wohl kaum.

Hat man das Recht in so einem Fall, in welchem man nicht vorsätzlich aber doch fahrlässig gehandelt hatte, zu urteilen für wen das Geschehene schlimmer ausfällt – für sich selber oder für die Familie, welche das Tier von Geburt an pflegte und hegte? Jeden Morgen wachen wir mit Gedanken an Julie auf, der Tränenfluss hört nicht auf. Wird uns je jemand auf unsere Fragen antworten: “War es nötig, dass Julie jetzt schon rausgeht?” “War das tagsüber passiert oder gar in der Nacht (was noch fahrlässiger gewesen wäre)?” “Wer hat Julie gefunden?” “Wie sah sie aus?” “War sie sofort tot oder hat sie noch lange gelitten?” “Wo ist sie begraben worden?”

Liegt nicht in Details die ganze Wahrheit, welche wir wohl nie erfahren werden? Hier schmerzt nicht nur die Gewissheit, sondern auch die Ungewissheit. Die Wunde wird nie heilen können.

Wie sollen wir weitermachen und Tiere retten?

Einmal trafen wir im Tierheim Mulhouse auf ein Paar. Sie waren dort um sich mit den Katzen abzugeben, sie zu streicheln etc. Wir haben erfahren, dass sie es sich nicht vorstellen können, eine Katzenpflegestelle zu werden, weil sie die Tiere nicht mehr abgeben könnten. Das Paar war bereits etwas älter als wir… Das erste Mal besuchte uns in dieser Woche der Gedanke, kein Tier mehr abzugeben, doch der Verstand ist auch noch da und wir wollen die aktuell vermittelbaren Tiere auf jeden Fall vermitteln; jeder Schicksalsschlag nimmt uns ein Stück Kraft – die schönen Festtage, die wir hatten, machten das “Erwachen” im neuen Jahr umso schwerer. Auch können wir den Gedanken nicht loswerden, dass, während wir am 19.1 einen Konzert besuchten, in welchem einer von uns auch mitmachte, Julie draussen im Sterben lag. Die freudigen Aufnahmen vom Konzert haben nun eine völlig andere – schwarze Farbe bekommen.

Eventuell wäre es für uns einfacher, das Geschehene zu akzeptieren, wenn wir wüssten, dass dies für die Familie eine Lehre war und dass Julies Tod aus diesem Grund nicht umsonst gewesen wäre. Doch eine solche Gewissheit haben wir nicht. Und so wurde Julie zu einem einfachen StrassenKriegsOpfer – wie im Krieg, ist der Tod auch hier hässlich und sinnlos gewesen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir heute das Bild von Tigroux, dem roten Kater, welchen wir Mitte auf der Strasse so gesehen haben. Wir legten ihn aufs Gras und haben ihn nach der Arbeit zu uns genommen. Wir liessen ihn auf einem Tierfriedhof begraben.

Wir wollen, dass es jedem Katzenhalter bewusst wird, dass wenn er sein Tier bewusst auf die Strasse lässt, mit einem solchen Bild immer zu rechnen sein wird, einem Bild, welches nie wieder aus dem Kopf gehen kann und welches das Herz schmerzen lassen wird – bis an das Lebensende.

Unsere Julie, das Katzenkind, welches wir vor solch einem traurigen Schicksal nicht bewahren konnten. Das tut uns unendlich leid.