Vassilij, LEUKOSE + (VERMITTELBAR)

 

 

29.07.2019

“Ich heisse Vassilij und komme aus Sergiev Posad, einer Stadt in der Nähe von Moskau. Mein Pflegefrauchen wohnte wenige Wochen dort zusammen mit ihrer Tochter in einem Hotel. Dort im Hotel hatte ich zur gleichen Zeit meine Kost und Logis, doch auch wenn viele meiner Artgenossen von so einer Lage nur träumen können, gab es da Hintergründe, welche meinen Aufenthalt im Heizungsraum des Hotels doch sehr unstabil machten.

Als ich noch klein war, waren die Hotelbesitzer und auch die Gäste des Hotels ganz lieb zu mir, alle Menschen dort fanden mich sooo süss – sogar in das Hauptgebäude des 4-Sterne Hotels hatte ich Zugang. Als ich grösser wurde, fanden mich die Hotelbesitzer nicht mehr so süss und erteilten den Angestellten des Hotels, welche mich fütterten, den Auftrag mich loszuwerden. Niemand brachte es übers Herz mich zum Einschläfern zum Tierarzt zu bringen. Der Winter war im Anmarsch. Und ich durfte heimlich in den Heizungsraum des Nebengebäudes ziehen. Dort verbrachte ich den Winter und auch im Frühling haben die Angestellten des Hotels dafür gesorgt, dass ich mich dort bei Bedarf zurückziehen konnte. Doch die Gefahr, dass ich eines Tages von „falschen“ Menschen dort entdeckt würde, war sehr gross. Ich spürte die Fragilität meiner Lage doch wo hätte ich hingehen sollen?

Zurück zu meinem Pflegefrauchen. Bereits am zweiten Tag ihres Aufenthalts im Hotel machten wir die connaissance. Ich schaute ihr in die Augen und ich sagte etwas, eigentlich nichts Besonderes, ich glaube ich habe gefragt ob sie nicht zufälligerweise etwas Essbares an sich hätte, doch sie hielt an, sie und ihre Tochter streichelten mich und sie haben mich bewundert – ich erinnerte mich an die Zeiten als noch viele anderen Menschen mich so toll fanden. Sehr schüchtern fragte ich zum Schluss, ob sie mich denn nicht zu sich nehmen würde…

Nun wohne ich im Elsass. Und trotz unserer einzigartigen Geschichte suchen meine Pflegeeltern nach einem schönen Plätzchen für mich. Warum? Ich darf mich nicht beschweren über das Leben, denn in meinem noch relativ kurzen Leben habe ich unglaublich viel Glück und tolle Menschen erfahren und kennenlernen dürfen. Doch ich bin krank. Ich habe Leukose – eine Krankheit, welche sich leider über den Speichel auf andere Katzen überträgt. Und meine Pflegeeltern haben noch andere Katzenkinder hier, Katzenkinder, welche noch vor mir da waren…

Die Pflegeeltern wünschen sich ein Plätzchen für mich, wo ich ein wenig Freigang haben könnte (ein gesicherter Auslauf oder eine gesicherte grosszügige Terrasse wäre ideal). Sie wünschen für mich jemanden, der Zeit für mich hätte, der, so wie ich, auf Streicheleinheiten stehen würde. Kinder mag ich übrigens auch. Meine Pflegemama liebt mich so, würdest auch du mich lieben?“